Konzepte

AdK Neustart Stipendium Juli 2021

[*] – Geschehen
Mit dem Stipendium habe ich vor, Recherche durchzuführen und die Kompositionsskizze zu einer „Radio-Novela“ (Brasilianisches live-Hörspiel) des 21. Jahrhunderts für Ensemble, elektronische Musik, Video und live-Streaming zu erarbeiten. Kooperationen mit Institutionen in der Türkei und Brasilien werden angestrebt.
Hintergrund ist ein Zufall, der eine Verbindung zwischen der Türkei, Deutschland und Brasilien herstellt. [Heute] In dem Friedhof des Geländes der Kulturakademie Tarabya in Istanbul, wo ich mich befinde, liegt ein Kriegsreferent begraben, dessen Vater der Gründer meiner Heimatstadt Blumenau in Brasilien war. Vor meiner Ankunft, wusste hier kein Mensch irgendwas über den Begrabenen, ich bin die erste „Blumenauerin“, die die Residenz in Istanbul antritt. [Damals] Pedro Hermann Blumenau war bei der „Expedition Klein“ beteiligt: ihr Ziel war 1914 die Sprengung der englischen Pipeline am Persischen Golf. Hauptmann Fritz Klein erlangt es dabei auch, die schiitische Geistlichkeit für einen „heiligen Krieg“ gegen England, Russland und Frankreich zu gewinnen. Klingt nach Tagesschau? Ist aber Geschichtsstunde,
Kriegsgeschichten auf zwei benachbarten Kontinenten, während auf der anderen Seite der Welt, in Amerika, die unter sich kriegende Mächte die Eroberung der „Neue Welt“ fortfuhren. Männersache. Wirklich? Die Information liegt in Archiven, aber was sucht man in den Unterlagen? Wo bleibt die Geschichte der Frauen in der Zeit des 1. Weltkrieges in der Türkei mit Frauen in Brasilien und in Deutschland?
Wer mehrsprachig ist kann über das Internet auf einen Blick Kulturen gegenüber stellen, die Tausendkilometer fern voneinander entfernt liegen. Die Idee ist, die damaligen Ereignissen, aus der heutigen technologischen Perspektive zu erzählen. Damals Briefe, heute Chat-Nachrichten, Bilder, Videos versenden. Wie hätte die „telematische Gesellschaft“ am Anfang des 20. Jahrhunderts ausgesehen und was löst diese Perspektive in uns heute aus?Die gesammelte Informationen aus Briefen, Archivunterlagen, Zeitungsnachrichten und Werbeanzeige der Zeit des 1. Weltkrieges aus der Türkei, Brasilien und Deutschland erzählen alltägliche Geschichten mitten im Weltkonflikt.

*Topia
Klangkunst Festival Brasilien-Berlin
Oktober-November 2021
Mit dem Stipendium möchte ich meine Arbeit in der Endphase der Organisation, Durchführung und Dokumentation des internationalen Klangkunst-Festivals *Topia finanzieren, die bisher freiwillig war.
Anlehnend an dem Konzept des Festivals Dystopie Berlin-Brasilien von 2020, *Topia versteht sich als eine Deutsch-Brasilianische Kooperation mit dem Ziel, den Austausch zwischen Künstler*innen aus beiden Ländern zu fördern. Das Festival beinhaltet lokale Aktionen, ein Online-Platftorm und eine partizipative online-Kneipe. Werke von Künstler*innen aus 7 brasilianischen Bundesstaaten (Paraíba, Bahia, Rio de Janeiro, São Paulo, Paraná, Santa Catarina, Rio Grande do Sul) und aus Berlin werden präsentiert.
Der Focus liegt auf Inklusion und Diversität (das Zeichen * steht für „das nicht-Erwähnte“). So wird z.B. die Fachhochschule „Aplicação“ der Bundesuniversität Rio de Janeiro, zusammen mit dem Kollektiv Sonora:músicas e feminismos und einer weiteren Künstlerin aus Berlin (Ale Hop) jungen Frauen aus benachteiligten Bezirken Rios einen Workshop über Feminismus und Kreativität in der Klangkunst anbieten. In der Kooperation zwischen dem Project Space Errant Sound und dem Festival Somarumor (UFF – Rio de Janeiro) entsteht eine Residenz für 3 Künstler*innen aus Brasilien und der Türkei. Die partizipative online-Kneipe bringt in einer lockeren Atmosphäre Künstler*innen aus Brasilien, Argentinien, Deutschland und der Türkei zusammen, um den Inhalt der Online-Plattform zu besprechen, sowie Raum für Fragen aus dem Publikum zu geben. Während und nach dem Festival entstehen Podcasts in Kooperation mit Sendern aus Brasilien, Argentinien und Deutschland.
Das Festival wird von mir (Errant Sound – Berlin) und Vanessa De Michelis (London) koordiniert, eine lokale Produktionsfirma (angefragt) in Brasilien kümmert sich um die Organisation, die Webseite wird von Georg Werner (Errant Sound – Berlin) designed. Die Finanzierung vor Ort wird durch das Goethe Institut gesichert (mündliche Zusage) und ein Teil der Partizipation der Berliner Künstler*innen in der Online-Kneipe wird von dem Projektraumstipendium 2021 – Bildende Kunst (zugesagt) finanziert.

Abril 2021

Pidgining para viola solo e eletrônica

Pidgining for solo viola and electronics

25.04.2021

Convite de Rui Chaves
48 instruções para escutar a pandemia
Instruções verbais, textos, imagens ou infogramas que accionem o imaginário da escuta/fazer sonoro na possibilidade/utopia de lidar com os tema(s) da: comunidade; solidão; desejo; separação; diálogo; intimidade; reunião; silêncio; ruído;  (….).   O trabalho não deve exceder o tamanho A5, sendo que as imagens devem ter a qualidade de 300 dpi. A data-limite para o envio de trabalhos é o 25 de Abril. De momento tenho o apoio institucional do selo Berro

Esboço para reunião digital – cena X

07.04.21

Analog thoughts transformed by digital dreams
Für Stimme und live-Elektronik, ca. 30 bis 45 Min

Ein Cyborg-Woman trifft auf ein elektronisches Wesen. Inspiriert von David Tudors Gedanken bei Arbeiten wie Dialects oder den früheren Rainforest -Werken, spielt das Duo Mello/Musil mit den Möglichkeiten der Stimme, mit Stimmen im erweiterten elektroakustischen Raum.
Gemeint ist nicht nur menschliche Stimme und Sprache, sondern metaphorisch, die medial transformierte Stimme die aus dem „Lautsprecher“ herauskommt und die Sprache die im Algorithmus der Schaltkreise entsteht.
Cyber-Woman Laura Mello trägt ein Lautsprecher-Kostüm. Am Kopf hat sie ein Sensor-Band, ein EEG welches Gehirnwellen als Steuersignale für synthetische Klänge liefert.
Ein Dialog zwischen Cyborg-Woman und dem Netzwerk der Live Elektronik entsteht. Die menschliche Stimme mit den Melodieverläufen und Rythmuspattern ist ein komplexer Controller für die Klangverarbeitung in Wolfgang Musils Schaltkreisen. Die kybernetische Actio/Reactio Maschine und die Performerin suchen einen Weg im Dschungel der klanglichen Zeichen zu finden. Kommunikation und zunehmende Komplexität.
Prozesse von Entstehung und Absterben, von Transformationen der sprachähnlichen Klänge werden akustisch erfahrbar, es klingt zwar vertraut, der genauer Sinn ist jedoch verschüttet und will entdeckt werden. Sind es Selbstgespräche innerhalb des Mensch-Maschinen-Konstruktes? Oder sind es Echos eines Schaltkreis-Wesens von einem Cyborg-Woman im Traumzustand?

01.04.21

Konzept für SingUhr 2022 David Tudor – Arbeitsfassung

Laura Mello & Wolfgang Musil
Digital circuits dream of analog thoughts or
Analog thoughts modeled by digital dreams

Eine autonome Klanginstallation die auch konzertant, performativ bespielt wird. Ein Cyborg-Woman trifft auf ein elektronisch, netzwerkartiges Wesen. Inspiriert von David Tudors Arbeit Rainforest, spielt Wolfgang Musils mehrkanaliges Setup 20 bis 30 im Raum verteilte Objekte an. Röhren, Metallblumen, Trichter, Basstrommeln, Bleche, Blechdosen, Piano-Guts, gespannte Klaviersaiten und Becken werden mittels adaptierten Lautsprechern, Transducern und mechanischen Signalgebern (Relais und Motoren) akustisch angeregt, sind also lauter kleine eigenklangliche Universen. Diese akustischen Objekte werden mit Samples und generativen Sounds bespielt.
Algorithmen wie Neuronale Ordnungssysteme regeln Dichte und Verteilung – Selbstähnlichkeiten sind in den Wiederholungen zu erkennen. Prozesse von Verdichtungen und Absterben werden entweder durch die Performerin oder einer unsichtbaren „Glocke“ getriggert.
Für diese Arbeit ist der Raum in dem die Installation steht, als auch die „Zeitgebung“ , was viel mit Stille zu tun hat, sensibel zu wählen.
Die Klanginstallation steht für sich, wird aber auch zur Performance: Die Cyber-Woman Laura Mello trägt ein Lautsprecher-Kostüm, was wie ein Teil der Klanginstallation funktioniert. Am Kopf hat sie ein Sensor-Band, ein EEG, ihre Gehirnwellen steuern die Synthesizer-Klänge während sie sich mitten in der Installation bewegt. Die erzeugten Klänge werden in den Raum projiziert und auch zum Schaltkreis-Wesen, der Klanginstallation, geleitet. Die Klangobjekte “sprechen”, das Cyborg-Woman antwortet und umgekehrt. Dieses Gespräch klingt vertraut, genauer Sinn wird aber nicht erkannt. Sind es Selbstgespräche innerhalb des Mensch-Maschinen-Konstruktes? Oder sind es Echos von einem Schaltkreis-Wesen und einem Cyborg-Woman im Traumzustand?

Laura Mello horcht und erforscht Formate. Sie komponiert, singt, spielt traditionelle und elektronische Instrumente, bewegt sich. Sie schafft instrumentale Stücke, Installationen, Interventionen und audiovisuelle Performances. In ihrer Solo-Performancereihe Composing for many media including me reflektiert sie – durch den Einsatz ihres Körpers, elektronische Instrumente und Videoprojektion – ihre Rolle als Komponistin und Künstlerin in einem multikulturellen Umfeld. Instrumental- und Mixed Media stücke hat sie für Ensembles wie Adapter, LUX:NM und Garage komponiert. Seit 2016 ist sie Mitglied von Errant Sound. Ihr Werk war u.a. im Konzerthaus Berlin/Wien, Festival Heroines of Sound, Frau Musica Nova, Dystopia Klangkunst Festival, Berlinische Galerie, Tonspur MQ Wien, Festival der Regionen und CTM zu sehen und zu hören. Ihre Radioproduktionen wurden u.a. auf Dfunk Kultur, Ö1 und BBC3 ausgestrahlt. 2018 hat sie mit einer Förderung der SKE Wien die CD „Está Verde!“ veröffentlicht, eine Retrospektive von zehn Jahren elektroakustischer Musik, sowie die 7“ LP „Ringing Still Life“: eine double-groove Vinyl wo experimentelle Klingeltöne auf Field Recordings treffen. 2019 hat sie das Arbeitsstipendium des Berliner Senats für Kultur und Europa erhalten, ab Juni 2021 wird sie als Stipendiatin der Kulturakademie Tarabya in Istanbul wohnen. Sie hat in Curitiba (BR) ein Studium der Kommunikationswissenschaft und später der Komposition (bei Mauricio Dottori) abgeschlossen. In Wien hat sie elektroakustische Komposition (bei Dieter Kaufmann) studiert. Sie war 2007 bis 2013 Promotionsstudentin an der TU Berlin bei Stefan Weinzierl und Helga de la Motte-Haber. In dieser Zeit nahm sie auch an den Seminaren von Daniel Ott, Manos Tsangaris und Wolfgang Heiniger teil. 2005 bekam sie den Theodor-Körner Preis der Arbeiterkammer Wien für das Projekt „On the phone“.